{"id":878,"date":"2016-08-07T10:55:19","date_gmt":"2016-08-07T08:55:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.paderborner-puppenspiele.de\/neu2012\/?page_id=878"},"modified":"2016-08-18T01:17:56","modified_gmt":"2016-08-17T23:17:56","slug":"kulturnadel-2011-fur-robert-husemann","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.paderborner-puppenspiele.de\/neu2012\/uber-das-puppenspiel\/kulturnadel-2011-fur-robert-husemann\/","title":{"rendered":"Kulturnadel der Stadt Paderborn 2011"},"content":{"rendered":"<p>Am Montag, den 18. Juli 2011 wurde Robert Husemann f\u00fcr seine Verdienste um das kulturelle Leben in der Stadt Paderborn und bundesweit von B\u00fcrgermeister Heinz Paus die Kulturnadel verliehen.<\/p>\n<p>Mit der Verleihung wurde das nunmehr fast 20-j\u00e4hrige B\u00fchnenleben von Robert Husemann geehrt, das nicht erst seit heute zu einem festen Bestandteil der Paderborner Kulturszene z\u00e4hlt.<\/p>\n<p><strong>Hier geht\u2019s zu der entsprechenden Berichterstattung im Internet:<\/strong><br \/>\n<a href=\"http:\/\/einfach-so-show.de\/live-in-paderborn\/beitraege-2011\/verleihung-der-kulturnadeln-2011\/index.html\" target=\"_blank\">Link 1<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/paderborn-ueberzeugt.de\/v2.0\/index.php?option=com_content&#038;task=view&#038;id=2328&#038;Itemid=2\" target=\"_blank\">Link 2<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/newsowl.de\/Kulturnadel-an-Husemann-und-Weissbrod-104830.html\" target=\"_blank\">Link 3<\/a><\/p>\n<p>Laudatio von Stani anl\u00e4sslich der Kulturnadel-Verleihung 2011 an Holger Wei\u00dfbrod und Robert Husemann<\/p>\n<p>Kulturnadel 2011<br \/>\nMeine sehr verehrten Damen und Herren,<br \/>\nliebe Kulturschaffende,<br \/>\ngesch\u00e4tzte Kulturrezipienten, -konsumenten und -delinquenten, geehrte Kulturnadeltr\u00e4ger, zu ehrende und damit anlassgebende Neunadeltr\u00e4ger, ich freue mich, hier heute zur Verleihung der Paderborner<br \/>\nKulturnadel, die ja im dritten Jahr ausgew\u00e4hlten Paderbornern f\u00fcr ihre Verdienste um die Paderborner Kultur verliehen bekommen, also nur f\u00fcr solche Verdienste, bei denen sie nichts verdienen, was<br \/>\ndann aber jetzt eben als ihr Verdienst gew\u00fcrdigt wird, den Part \u00fcbernehmen zu d\u00fcrfen, der neben dem des<br \/>\nNadeleinheimsers oder aber grammatisch korrekter der Nadeleinheimser \u2013 es sind ja derer zwei \u2013 der vielleicht sch\u00f6nste des Abends ist.<br \/>\nDenn ich habe die Freude und die Ehre, nicht zuletzt aber auch das Verg\u00fcgen, auserkoren zu sein, \u00fcber die heute zu benadelnden ein paar Worte verlieren zu d\u00fcrfen, Ihnen das eine oder andere bisher vielleicht oder eher sogar wahrscheinlich Unbekannte \u00fcber unsere beiden bald Ansteckpfaudekorierten verraten zu k\u00f6nnen.<br \/>\nUnd das sch\u00f6nste dabei ist:<br \/>\nSie k\u00f6nnen sich nicht wehren.<\/p>\n<p>Eines muss ich aber schon einmal im Vorfeld kl\u00e4ren:<br \/>\nEs wird sicherlich nicht so spannend, wie im letzten Jahr, denn \u2013 ich sage es kurz \u2013 die Nadeln sind da.<br \/>\nSie k\u00f6nnen also alle, wenn Sie es nicht ohnehin schon gemacht haben, Ihre Handys abschalten. Es ruft keiner an. \u2013 Auch nicht den B\u00fcrgermeister.<br \/>\nStutzen \u2013 Handy aus der Tasche nehmen \u2013 Abschalten \u2013 Wieder wegstecken Danke f\u00fcr den Tip!<\/p>\n<p>Meine Damen und Herren, es ist heute an mir, laudatorisch \u00fcber zwei Menschen zu sprechen, die \u2013 rein zuf\u00e4llig \u2013 etwas mit mir zu tun haben, der eine mehr und der andere weniger.<br \/>\nGestatten Sie mir, meine Damen und Herren, dass ich, bevor ich mit meiner Lobpreisung beginne, noch kurz auf dieses sch\u00f6ne Wort Laudator eingehe.<br \/>\nDenn dem Laudator kommt ja im Rahmen eines Festaktes eine sehr wichtige Rolle zu. Wie wir alle wissen, zeichnen sich Festakte bekanntlich dadurch aus, dass so lange vortr\u00e4glich oder gru\u00dfwortlich geredet wird, bis alle hei\u00dfe Ohren haben.<br \/>\nDeshalb gibt es im Idealfall einen, der quasi aus gesundheitlicher Vorsorge die Ohren der Zuh\u00f6rer vorsichtig auf diese ungewohnte Belastung vorbereitet. Aus diesem Grund muss er so lange sch\u00f6ne<br \/>\nWorte finden, bis sich die Ohren angemessen erw\u00e4rmt haben, mit anderen Worten: Bis lau dat Ohr.<br \/>\nDas dauert in der Regel je nach Blutdruck der Zuh\u00f6rer zwischen 40 und 55 Minuten.<br \/>\nSitzen Sie also bequem.<br \/>\n3<br \/>\nNun aber zu unseren Zweinadeltr\u00e4gern:<br \/>\nDer eine l\u00e4uft mir \u2013 fast zwangsl\u00e4ufig \u2013 st\u00e4ndig \u00fcber die F\u00fc\u00dfe, in der Kulturwerkstatt.<br \/>\nDer andere ist in seiner Freizeit meist da zu finden, wo es mich bald schon, nachdem mich das Schicksal ereilt hat, studienpl\u00e4tzlich Paderborn zugelost zu werden, hintrieb, auf der Freilichtb\u00fchne.<\/p>\n<p>Kommen wir zun\u00e4chst zur freilichten Gestalt unter den benadelten, zum Hasenk\u00f6nig von der rutschenden Hose:<br \/>\nHolger Wei\u00dfbrod!<br \/>\nEr war nicht nur acht Jahre lang Vorsitzender der Freilichtb\u00fchne Schlo\u00df Neuhaus, \u2013 und daf\u00fcr, und vor allem daf\u00fcr, was er in dieser Zeit so alles zuweg oder aber auch zugang, treffender aber noch<br \/>\nzuhaus gebracht hat, sitzt er ja heute hier.<br \/>\nHolger Wei\u00dfbrod ist zudem auch ein typischer Paderborner Kulturnadeltr\u00e4ger. \u2013 Er kommt von Ausw\u00e4rts \u2013 wie die meisten seiner f\u00fcnf Vorg\u00e4nger: Michael Werner kommt aus Schlesien, auch wenn er am Ostpreu\u00dfenweg wohnt, Horst Ziegler ist ein in der Pfalz geborener Schwabe, Hans-Joachim Nachtmann kommt aus D\u00fcsseldorf, ich bin geb\u00fcrtiger M\u00fcnsteraner, also wenigstens schon mal Westfale \u2013 Sie merken, ich n\u00e4here mich langsam Paderborn \u2013 und Katharina Linnemann ist immerhin auch noch von hinterm Berg weg, aus Borchen.<br \/>\nAllein Herrmann Sittig musste bisher die Paderborner Geburtsfarben hochhalten. Gut, dieses Jahr springt ihm Robert Husemann zur Seite. Aber als Neuh\u00e4user ist er letztendlich doch auch nur ein 1975 durch die Gebietsreform Zwangspaderbornisierter. Und als sei das nicht genug, sitzt ihm zur Seite auch gleich noch der zweite Kulturnadelschwabe:<br \/>\nHolger Wei\u00dfbrod.<br \/>\n4<br \/>\nDer K\u00f6lner w\u00fcrde zu alldem sagen: \u201eAlles Immis\u201c<br \/>\nDer Paderborner sagt dazu: \u2013 gar nix!<br \/>\nIch meine, was soll er, der Paderborner auch sagen?<br \/>\nDieser Mann, Holger Wei\u00dfbrod, kommt geb\u00fcrtig aus Heidenheim.<br \/>\nFr\u00fcher wusste man in Paderborn, wie man mit solchen Leuten um zu gehen hatte. Da schickte man die Heiden heim.<br \/>\nAber seit Heinz Nixdorf und der Universitarisieung der Stadt ist das alles anders. Paderborn w\u00e4chst und w\u00e4chst und w\u00e4chst und w\u00e4chst.<br \/>\nDoch dieses Wachstum kommt nicht, wie der Stadtslogan vermuten l\u00e4sst, durch \u00dcberzeugung der Ureinwohner zustande, sondern vor allem durch Zuzug.<br \/>\nUnd unter diesen Zugezogenen sind dann offensichtlich einige, die sich das Ganze eine Weile angucken und sich dann sagen:<br \/>\n\u201eAlso wenn ich hier bleiben soll, dann muss was passieren,\u201c<br \/>\nkrempeln die \u00c4rmel hoch und legen los.<\/p>\n<p>Nicht, dass Sie mich jetzt falsch verstehen, meine Damen und Herren. Nat\u00fcrlich gibt es auch reichlich Ureinwohner, die mitkrempeln, aber scheinbar nicht ganz so auff\u00e4llig.<br \/>\nUnd einer dieser Krempler ist Holger Wei\u00dfbrod.<br \/>\n1987 verschlug es ihn in das Nixdorf Paderborn, und er \u00fcberstand nicht nur das, sondern auch das Nixdorf\u2019sche Ende, die Zeit, als Nixdorf mit dem Luft auch die Selbe ausging.<br \/>\nEr hatte Gl\u00fcck, weil er, wie er selber sagt, \u201eimmer gerade an der richtigen Stelle\u201c war, da wo es noch irgendwie weiter ging. An der richtigen Stelle war er auch, als die gerade in voller Fahrt befindliche Freilichtb\u00fchne Scho\u00df Neuhaus in den p\u00e4dophilen Wirren ihres Vorsitzenden zu sinken drohte.<br \/>\nDa war Holger Wei\u00dfbrod eben einer von denen, die die \u00c4rmel aufkrempelten, um den Karren aus dem Sumpf zu ziehen.<br \/>\n5<br \/>\nDabei waren die Vorzeichen eigentlich umgekehrt:<br \/>\nn\u00e4mlich schiebend!<br \/>\nDurch seinen theaterbegeisterten \u00e4ltesten Sohn 1997 an die Freilichtb\u00fchne gelockt, musste der Vater in Ermangelung erwachsenen Personals schon ein Jahr sp\u00e4ter selber auf die B\u00fchne, oder genauer:<br \/>\nEr musste eine Stra\u00dfenbahn auf die B\u00fchne schieben.<br \/>\nOh, symbolischer Akt, wer hat Dich aus der Alme gezaubert?<br \/>\nDenn schon im gleichen Jahr \u00fcbernahm er aus oben schon erw\u00e4hntem Grund das Amt des Kassierers, im Januar 2001 schlie\u00dflich den Vorsitz der Freilichtb\u00fchne.<br \/>\nUnd nun begann die Zeit, die heute ihre Nadeln auf Holger Wei\u00dfbrod wirft, die Zeit der Renovierung der Freilichtb\u00fchne.<br \/>\nZwar war anl\u00e4sslich der Landesgartenschau das Technik-, Sanit\u00e4r- und Lagergeb\u00e4ude der Freilichtb\u00fchne h\u00fcbsch umgestaltet worden, das B\u00fchnenhaus und die Bestuhlung waren aber immer noch in dem gleichen Zustand, in denen ich sie vor 33 Jahren kennen gelernt habe: Das B\u00fchnenhaus je nach Wetter klamm bis nass und vom Schimmel verw\u00f6hnt, und die St\u00fchle wackelig, inzwischen vielleicht aber auch schon teilweise selbsthinf\u00e4llig durch wetterbedingte Entleimung.<br \/>\nHolger Wei\u00dfbrod sorgte zun\u00e4chst daf\u00fcr, dass die Zuschauer vern\u00fcnftig sitzen konnten. Und die Betonung liegt hier auf vern\u00fcnftig. Vern\u00fcnftig bei einer Theaterbestuhlung ist, dass sie so bequem ist, dass der Zuschauer die Vorstellung nicht wegen R\u00fcckenschmerzen vorzeitig verletzt.<br \/>\n6<br \/>\nSo verbrachte Holger Wei\u00dfbrod Wochen seiner wertvollen Freizeit mit Probesitzen auf den neu zu  installierenden festen Sitzb\u00e4nken, bis er endlich die richtige Neigung der R\u00fcckenlehnen<br \/>\nherausgefunden hatte.<br \/>\nEinen Nachteil dieser neuen Sitzb\u00e4nke konnte aber auch er nicht eliminieren:<br \/>\nMan kann sie bei Regen nicht mit unter das Vordach nehmen.<br \/>\nDie Zeit des Probesitzens lie\u00df Holger Wei\u00dfbrod aber nicht ungenutzt verstreichen. Er durchst\u00f6berte die Archive der Freilichtb\u00fchne \u2013 denke ich mir \u2013 und entdeckte, dass sein Amtsvorg\u00e4nger Geld f\u00fcr die Renovierung des B\u00fchnenhauses beantragt und bewilligt bekommen hatte, die es jetzt auszugeben<br \/>\ngalt, bevor sie verfielen.<br \/>\nUnd so machte sich Holger Wei\u00dfbrod daran, ein neues B\u00fchnenhaus zu bauen. \u2013 Nein, halt! \u2013 das alte marode zu renovieren. Denn das Geld war f\u00fcr eine Renovierung bewilligt.<br \/>\nDas alte B\u00fchnenhaus musste also so geschickt abgerissen werden, dass dabei mindestens eine Wand daran gehindert wurde, umzufallen, um um sie herum ein neues B\u00fchnenhaus zu errenovieren.<br \/>\nUnd es hat funktioniert. Wenn Sie einmal mit gespitzter Nase durch das neue B\u00fchnenhaus gehen, dann werden Sie feststellen, dass eine der W\u00e4nde immer noch so ein klitzekleines Bisschen nach Moder riecht. Ich verrate aber jetzt nicht, welche.<br \/>\nAber das sollte nicht das gr\u00f6\u00dfte Problem sein, dass sich Holger Wei\u00dfbrod in den Weg stellte.<br \/>\nWer schon einmal gebaut hat, wei\u00df, was da alles auf einen zukommen kann. Er wei\u00df aber nicht, was es hei\u00dft, ein \u00f6ffentliches Geb\u00e4ude zu errichten. Jede Spax-Schraube und jeder D\u00fcbel muss ausgeschrieben werden.<br \/>\n7<br \/>\nIm Jahr 2005 begann schlie\u00dflich der Renovierungsneubau.<br \/>\n\u2013 Wer jetzt gut aufgepasst hat, der wei\u00df nun auch, wie lange das Wei\u00dfbrod\u2019sche Probesitzen gedauert hat. \u2013<br \/>\nNeben den Ausschreibungen f\u00fcr alles und jedes tat sich ein weiteres, weitaus gr\u00f6\u00dferes Problem auf:<br \/>\nIn der Zuschussgenehmigung war festgelegt worden, dass 20% der Ausgaben \u2013 immerhin insgesamt 410.000 \u20ac \u2013 durch die Arbeit von ABM-Kr\u00e4ften zu verbauen seien.<br \/>\nJetzt gab es aber dank der sprachgestalterischen Qualit\u00e4t der Arbeitsmarktpolitiker gar keine ABM-Stellen mehr.<br \/>\nWas also tun? \u2013 Das Problem konnte gel\u00f6st werden.<br \/>\nAber es gab auch weit gr\u00f6\u00dfere Probleme:<br \/>\nF\u00fcr den Neubau musste ein Zaun versetzt werden. Wer war daf\u00fcr zust\u00e4ndig?<br \/>\nHolger Wei\u00dfbrod machte sich auf den Weg durch die st\u00e4dtischen Institutionen, um diese Frage zu beantworten.<br \/>\nGoszinny w\u00fcrde sagen: \u2013 Asterix-Freunde wissen das. \u2013 Er ging in das Haus, das Verr\u00fcckte macht.<br \/>\nZun\u00e4chst wandte er sich an das Kulturamt. Dort war man der Meinung, dass ein Zaun ein Bauwerk sei, und somit in den Zust\u00e4ndigkeitsbereich des Geb\u00e4udemanagements fiel. Die sagten ihm, dass Z\u00e4une nicht zu den Geb\u00e4uden geh\u00f6rten, sondern zu den Gr\u00fcnfl\u00e4chen, f\u00fcr die nat\u00fcrlich das Gr\u00fcnfl\u00e4chenamt zust\u00e4ndig sei,<br \/>\nwelches wiederum feststellte, dass die Freilichtb\u00fchne auf dem Gel\u00e4nde der Schloss- und Auenparks geh\u00f6re und damit in den Zust\u00e4ndigkeitsbereich der Schlosspark und Lippesee GmbH, die sich aber f\u00fcr die Kultureinrichtung Freilichtb\u00fchne mit nichten zust\u00e4ndig f\u00fchlten und ihn deshalb zur\u00fcck an das Kulturamt<br \/>\nverwiesen.<br \/>\n8<br \/>\nHolger Wei\u00dfbrod suchte in seiner Verzweifelung nach seiner Pistole, fand aber keine und rief deshalb den B\u00fcrgermeister an.<br \/>\nHeinz Paus sagte ihm, er solle sich nicht verr\u00fcckt machen lassen, und er gebe ihm ab sofort Reinold Stecher vom Kulturamt an die Hand, der ihn in Zukunft durch den stadtverwaltlichen Dschungel f\u00fchren werde.<br \/>\nUnd hier sticht sich die Nadel, oder, wie wir gemeinhin sagen: Hier schlie\u00dft sich der Kreis.<br \/>\nDenn Reinold Stecher \u2013 dessen Vornamen ich \u00fcbrigens nach \u00fcber 30 Jahren Kulturarbeit in Paderborn extra f\u00fcr diese Rede im Internet eruieren musste. \u2013 Bis dahin war er bei allen immer nur Stecher oder der Stecher, oder, wenn\u2019s hoch kam, Herr Stecher. \u2013 Reinold Stecher war jetzt nicht nur Holger Wei\u00dfbrods F\u00fchrhund.<br \/>\nEr war auch vor dem schon der, der die Ausgaben und Abrechnungen aller Kultureinrichtungen, die Geld von der Stadt bekommen haben, unter die Lupe nahm und \u2013 ich darf das sagen \u2013 gewissenhaftest auf Fehler \u00fcberpr\u00fcft hat.<br \/>\nHolger Wei\u00dfbrods Abrechnungen fand er aber nicht nur korrekt, sondern sie haben ihn derart begeistert,<br \/>\n\u2013 Sie haben richtig geh\u00f6rt: einen Buchhalter begeistert! \u2013 dass er an seinem letzten Arbeitstag vor der Verrentung vorgeschlagen hat, Holger Wei\u00dfbrod f\u00fcr diese, wie gesagt, ehrenamtliche Leistung f\u00fcr die Freilichtb\u00fchne mit der Kulturnadel zu ehren.<br \/>\nDem kann man nicht widersprechen. <\/p>\n<p>Wie komme ich jetzt aber zu unserem Zweitbenadelten, zu Robert Husemann?<br \/>\nRichtig! \u2013 \u00fcber die Freilichtb\u00fchne.<br \/>\n9<br \/>\nDenn auch Robert Husemann hat auf der Freilichtb\u00fchne gespielt.<br \/>\nAllerdings hat er nicht vor Zuschauern gespielt, sondern eher heimlich, wenn keine Zuschauer da waren.<br \/>\nAls kleiner Junge hat er dann auf der Freilichtb\u00fchne ganz f\u00fcr sich nachgespielt, was er vorher hier gesehen hatte.<br \/>\nWir nennen das seit heute neudenglisch \u201areacting\u2019 oder husemannisch genauer \u201asingle reacting\u2019.<br \/>\nWeil er aber alleine dort spielte, \u2013 Die Alternative w\u00e4re gewesen, mit den Nachbarsm\u00e4dchen \u201aVater, Mutter, Kind\u2019 zu spielen, was ihm auf Dauer zu langweilig war. \u2013 musste er notgedrungen nat\u00fcrlich alle Rollen selber spielen, eine fr\u00fchkindliche \u00dcbung, die ihm sp\u00e4ter noch sehr hilfreich sein sollte.<br \/>\nAnsonsten verlief Robert Husemanns Leben relativ unspektaukl\u00e4r.<br \/>\nDas Leben eines Neuh\u00e4user Jungen halt:<br \/>\nHauptschulabschluss, Ausbildung zum Energieanlagenelektroniker und schlie\u00dflich 1979 Feuerwehrmann, zwischendurch nat\u00fcrlich die Zwangseingemeindung nach Paderborn.<br \/>\nWeil es aber in Paderborn offenbar nicht genug brannte, und er deshalb scheinbar nicht ausgelastet war, begann Robert Husemann 1980 eine Gesangsausbildung bei Martha Becker in der Waldeslust in Neuhaus.<br \/>\nDas Streben nach einer S\u00e4ngerkarriere endete aber j\u00e4h, als bei einem Konzert \u2013 nat\u00fcrlich in Neuhaus \u2013 anl\u00e4sslich des 200. Todestages Mozarts der Pianist den armen Tamino Husemann in Guiness-Buch verd\u00e4chtigem Tempo durch seine Arie hetzte, dass dem jungen Tenor die Luft und der eine oder andere Ton weg blieb.<br \/>\nSo wollte er nicht noch einmal vorgef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>Nichts desto trotz zog es Robert Husemann zur B\u00fchne. Und er entsann sich seines kindlichen Theaterspiels, ganz ohne Zuschauer. So etwas w\u00fcrde er gerne machen.<br \/>\n10<br \/>\nWas lag da n\u00e4her, als Puppentheater. Da h\u00e4tte er ein Brett vor\u2019m Kopf \u2013 und dem Rest des K\u00f6rpers nat\u00fcrlich.<br \/>\nSo konnte er Theater spielen, ohne gesehen zu werden. Ideal!<br \/>\nWas dann kam, ist l\u00e4ngst Feurwehrgeschichte. 1993 gr\u00fcndete er die Paderborner Jugendfeuerwehr-Puppenb\u00fchne. Zusammen mit jungen Kollegen zog durch Schulen und Kinderg\u00e4rten, um den Kindern mit Hilfe von Kasper, Seppel und dem Feuerteufel den selben auszutreiben.<br \/>\nIm feuerwehroffiziellen Deutsch hei\u00dft das dann lyrisch Brandschutzpr\u00e4vention.<br \/>\nAllerdings war der Feuerteufel dabei anf\u00e4nglich derart teuflisch, dass die Kinder sich direkt gegen ihn zu Wehr setzen, indem sie ihn auch schon mal k\u00f6pften oder mit Fritten bewarfen.<br \/>\nUnd wie wir alle wissen, gibt es f\u00fcr einen Puppenspieler ja nichts sch\u00f6neres, als w\u00e4hrend einer Auff\u00fchrung mit Fritten rot-wei\u00df gef\u00fcttert zu werden.<br \/>\nAber Robert Husemann w\u00fcrde heute nicht Kulturnadeltr\u00e4ger, wenn er nicht damals schon eine L\u00f6sung gefunden h\u00e4tte.<br \/>\nZun\u00e4chst schrieb er f\u00fcr sich und die Kollegen neue St\u00fccke, und zwar nicht nur, um die mobile Frittenversorgung abzustellen, und dann entwickelte er die MoKaKi, die Mobile Kasper Kiste, einen zur Puppenb\u00fchne umgebauten Feuerwehranh\u00e4nger, der in Windeseile auf- und abzubauen war.<br \/>\nDie Paderborner Brandschutzkasper waren so erfolgreich, dass Robert Husemann mit der Zeit immer mehr anderen Feuerwehrkasperb\u00fchnen landauf, landab als Geburtshelfer unter die Arme greifen d\u00fcrfen musste.<br \/>\nSchon bald begr\u00fc\u00dften ihn seine Paderborner Kollegen in der Wache an der Florianstra\u00dfe nur noch mit \u201etri, tra, trullala.\u201c<br \/>\n11<br \/>\nDass dieses Engagement erfolgreich war, beweist auch, dass der Paderborner Feuerwehrkasper 1997 f\u00fcr seine<br \/>\nBrandschutzerziehung \u201eDie Brandschuz 1\u201c des Deutschen Feuerwehrverbandes bekam.<br \/>\nUnd jetzt gab es kein Halten mehr. Robert Husemann belegte Puppenspielseminare, u.a. bei Trixini, die Feuerwehrkasper nahmen eine CD auf mit ihrem Husemann\u2019schen Erfolgsst\u00fcck \u201eDer Feuerteufel und der gelbe Sack\u201c, ein St\u00fcck \u00fcbrigens, dass sich wider Erwarten nicht mit der chinesischen Mafia befasst.<br \/>\nAber diese Aufnahmen gestalteten sich schwieriger, als zun\u00e4chst angenommen. Denn sagen Sie einem Feuerwehrmann mal, dass er seine S\u00e4tze bei der Aufnahme immer gleich betonen soll. Er wird das nicht hin kriegen.<br \/>\nH\u00e4user brennen doch auch nie gleich ab.<br \/>\nAlso mussten Schauspieler die Texte einsprechen.<br \/>\nNichts desto trotz wurde die Feuerwehrkasperei zu einem Fl\u00e4chenbrand. Egal ob in Nieb\u00fcll oder in Hinterzarten, Robert Husemanns Feuerwehrkaspersch\u00fcler kaspern inzwischen bundesweit.<\/p>\n<p>1998 kam dann die n\u00e4chste Wende in Robert Husemanns Leben:<br \/>\nEr kaufte einen Handpuppensatz des mit den Comix-Figuren aus dem Knax-Klub. Dieser bildete die Grundlage f\u00fcr den Aufbau der Knax-Puppenb\u00fchne Paderborn in Kooperation mit der Sparkasse, anders gesagt: Die Sparkasse zahlte und Husemann spielte und kassierte. Und weil das Kassieren einer Rechtsform bedurfte,<br \/>\ngr\u00fcndete Robert Husemann auch gleich die Paderborner Puppenspiele.<br \/>\n12<br \/>\nZusammen mit dem inzwischen auch als Polizeikasper bekannten Zauberer und Nebenerwerbspolizisten Randolf Latusek zog er mit der Knax-B\u00fchne \u00fcber die Lande.<br \/>\nHeute noch, allerdings ohne Latusek. Denn weil der immer mehr f\u00fcr seine Polizei kaspern musste, stieg er aus der Knaxs-B\u00fchne aus.<br \/>\nWas lag da f\u00fcr Robert Husemann n\u00e4her, als seine S\u00f6hne als Puppenspieler zu rekrutieren?<br \/>\nIch meine, wof\u00fcr hat man so was denn sonst?<br \/>\nDas n\u00e4chste wichtige Datum war der Dezember 2000. Die Paderborner Puppenspiel-Knaxs-B\u00fchne gastierte bei einer UNICEF-Veranstaltung erstmals in der Kulturwerkstatt.<br \/>\nMit Folgen!<br \/>\nSeit diesem Tag bekommt man Robert Husemann aus der Kulturwerkstatt einfach nicht mehr raus.<br \/>\nWenn Sie ihn an einem Samstag Nachmittag einmal nicht dort antreffen, meine Damen und Herren, dann seien Sie versichert, dass Sommerferien sind oder Weihnachten wieder mal auf ein Wochenende f\u00e4llt.<br \/>\nAber zur\u00fcck zum Einzug in die Kulturwerkstatt.<br \/>\nZun\u00e4chst wurde das Kino das Zuhause der Puppenspielb\u00fchne.<br \/>\nDas ging so:<br \/>\nDie Hausmeister mussten die Decke des Kinos mit Gardinenleisten vert\u00e4feln, an denen Robert alles, was der Puppenspieler so an B\u00fchnenbild und Vorh\u00e4ngen braucht, aufh\u00e4ngen konnte.<br \/>\nNach der Vorstellung wurde das Ganze in gro\u00dfen Rollklappkisten verstaut, die aber auch gleichzeitig w\u00e4hrend der Vorstellung die B\u00fchne waren.<br \/>\nMoKaKi l\u00e4sst gr\u00fc\u00dfen.<br \/>\n13<br \/>\nNach der Vorstellung landeten die eingepackten Kasperkisten dann in einem Lager im ersten Sock.<br \/>\nDas Husemann\u2019sche Puppentheater war also infrastrukturell bestens organisiert.<br \/>\nProbleme gab es nur, wenn die ganze Familie mit Sack und Pack, aber ohne Handy in der Tasche, vor der Vorstellung mit dem Fahrstuhl auf halber Fahrt stecken blieb und die Hydraulik nach gef\u00fchlten f\u00fcnf Stunden endlich den Druck ablie\u00df und der Fahrstuhl zu Boden schwob.<br \/>\n\u2013 Ich wei\u00df, Robert, es war nicht genau so. Aber anders h\u00e4tte ich das Wort \u201aschwob\u2019 nicht unter gekriegt. \u2013<br \/>\nAber auch dieses Problem war bald Geschichte.<br \/>\nMit der Einrichtung des Studios im ersten Stock bekam Robert Husemann seine feste Puppenb\u00fchne, also fast fest.<br \/>\nAuf der einen Seite spielten Theater und Kleinkunst, auf der anderen die Puppen.<br \/>\nUnd abbauen musste er nur noch, wenn abends der Platz f\u00fcr die Theaterzuschauer knapp wurde.<br \/>\nEr hatte jetzt also nur noch eine einzige Sorge:<br \/>\nKommen abends bei Stani genug Zuschauer, oder kann ich die B\u00fchne stehen lassen?<br \/>\nDas n\u00e4chste Jahr der Ver\u00e4nderung ist 2007. Robert Husemann tut sich f\u00fcr einige Projekte mit Nelo Thies zusammen. Und sie bringt ihn nicht nur dazu, selbst auf der B\u00fchne zu stehen. Nein, sie bringt<br \/>\nihn auch dazu, wieder in der \u00d6ffentlichkeit zu singen und nicht nur in der heimischen Dusche in der Sighardstra\u00dfe.<br \/>\n14<br \/>\nOb sie aber die Folgen dieser \u00dcberredungs- und oder \u00dcberzeugungsarbeit abgesehen hat, wage ich zu bezweifeln.<br \/>\nAuf jeden Fall singt Robert wieder, bei den letzten Puppenspielwochen sogar auch wieder Mozart, allerdings nicht den Tamino. Da sitzt wohl noch das Tempotrauma im Weg.<br \/>\nAber, meine Damen und Herren, Robert Husemann ist nicht nur Puppenspieler.<br \/>\nNeben all dem hier aufgez\u00e4hlten hat er auch noch Karriere bei der Feuerwehr gemacht, zun\u00e4chst als Dozent an der Feuerwehrakademie in M\u00fcnster und inzwischen als Chef der Feuerwehr in Lippstadt, und das alles, wie er immer wieder betont, obwohl er nur den  Hauptschulabschluss hat.<br \/>\nAber, Robert, \u2013 und das muss jetzt hier einmal ganz klar gesagt werden \u2013 Ihr hattet damals ja auch gar nicht anderes in Neuhaus.<br \/>\nLassen Sie mich, meine Damen und Herren, zum Schluss noch ein Geheimnis l\u00fcften:<br \/>\nDenn Robert Husemann ist auch nicht nur Puppenspieler und Feuerwehrmann und Hauptsch\u00fcler.<br \/>\nEr ist auch Puppenspielpuppensammler. Aber das ist, glaube ich, eine Puppenspieler typische Sucht.<br \/>\nAllerdings braucht man bei ihm jetzt keine Angst haben, dass er mit seiner Sammelleidenschaft seine Familie an den Rand des Abgrunds treibt.<br \/>\nDenn zum Gl\u00fcck ist seine Frau Lehrerin und kann mit ihrem Gehalt die Familie \u00fcber Wasser halten. Und so kann er ohne Angst sein eigenes Gehalt in die Puppensammlung stecken.<br \/>\n15<br \/>\nWenn Sie ihm aber vielleicht trotzdem helfen wollen, ist das ein Leichtes. Vielleicht haben Sie ja eine gro\u00dfe, trockene Halle, am besten mit einer Heizung.<br \/>\nStellen Sie sie ihm zur Verf\u00fcgung. Ich meine, das Treckermuseum ist doch auch so \u00e4hnlich entstanden, oder?<br \/>\nGanz am Ende muss ich noch jemanden erw\u00e4hnen, ohne den das Bild, dass ich hier von Robert Husemann zu zeichnen versucht habe, unvollst\u00e4ndig w\u00e4re: die Westfalenratte oder aber auch Kulturratte oder aber einfach auch Ratte.<br \/>\n2006 hat sie beim Zeltsommer das Licht des Paderquellgebiets erblickt. Seit dem moderiert sie nicht nur die Einfach-So-Show in der Kulturwerkstatt \u2013 wo sonst.<br \/>\nSie ist mir auch immer wieder ein liebgewordener und wunderbarer B\u00fchnenpartner.<br \/>\nFast allein schon f\u00fcr dieses Kleinod s\u00fcdostwestf\u00e4lischer Kanalisation verdient Robert Husemann die Kleinkunstnadel.<\/p>\n<p>Ich danke ihnen.<br \/>\n\u00a9 stani, 7.7.11<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Montag, den 18. Juli 2011 wurde Robert Husemann f\u00fcr seine Verdienste um das kulturelle Leben in der Stadt Paderborn und bundesweit von B\u00fcrgermeister Heinz Paus die Kulturnadel verliehen. Mit der Verleihung wurde das nunmehr fast 20-j\u00e4hrige B\u00fchnenleben von Robert Husemann geehrt, das nicht erst seit heute zu einem festen Bestandteil der Paderborner Kulturszene z\u00e4hlt. 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